So verpressen Sie feindrähtige Aluminiumkabel (Alukaflex) sicher. Alles über Werkzeug-Kennzahlen, Schmal-/Breitpressungen und die Klauke Presstabelle.
Alukaflex und Aluminiumleiter sicher verpressen: Vorgaben, Tabellen und die goldenen Regeln
Wer in der Elektrotechnik große Zuleitungen für Baustrom oder Industrieanlagen installiert, trifft immer häufiger auf Aluminiumkabel. Besonders Alukaflex – ein hochflexibles, feindrähtiges Aluminiumkabel der Klasse 5 – erfreut sich wegen seines geringen Gewichts und der leichten Verlegbarkeit großer Beliebtheit.
Doch Vorsicht: Aluminium verhält sich beim Pressen völlig anders als Kupfer. Wer hier auf Standard-Kabelschuhe und gewohnte Routinen setzt, riskiert fatale Übergangswiderstände und im schlimmsten Fall einen Kabelbrand. Wir erklären Ihnen die wichtigsten Vorschriften, wie Sie Kennzahlen richtig lesen und wie die Verpressung mit führenden Systemen wie Klauke sicher gelingt.
Warum Alukaflex eine absolute Besonderheit ist
Der wichtigste Grundsatz bei der Arbeit mit flexiblen Aluminiumleitern: Nutzen Sie niemals gewöhnliche Kupfer-Standard-Kabelschuhe! Feindrähtiges Aluminium gibt unter Druck extrem nach (es „fließt“). Daher benötigen Sie zwingend Spezial-Kabelschuhe für flexible Al-Leiter (Klasse 5). Diese haben meist einen dickeren Wandquerschnitt oder eine spezielle Innengeometrie. Achten Sie auf die Freigabe des Herstellers für genau diesen Kabeltyp. Um die VDE-Konformität zu gewährleisten, gilt der Systemgedanke: Kabelschuh, Presseinsatz und das akkuhydraulische Presswerkzeug sollten immer vom selben Hersteller stammen.
Die 4 goldenen Regeln der Aluminium-Verpressung
Aluminium bildet an der Luft innerhalb von Sekunden eine elektrisch isolierende Oxidschicht. Um eine sichere, leitende Verbindung zu schaffen, sind diese Arbeitsschritte zwingend vorgeschrieben:
- Präzise abisolieren: Die Leitung exakt auf die Länge des Kabelschuhschafts abisolieren.
- Gründlich bürsten: Die blanken Aluminiumdrähte müssen unmittelbar vor dem Einführen mit einer Drahtbürste (idealerweise aus Edelstahl) gebürstet werden, um die Oxidschicht aufzubrechen.
- Kontaktfett nutzen: Viele Al-Kabelschuhe sind ab Werk mit einem speziellen Kontaktfett gefüllt und per Stopfen verschlossen. Fehlt dieses, muss spezielles Alu-Kontaktfett manuell auf die gebürsteten Drähte aufgetragen werden, um eine Neubildung der Oxidschicht zu verhindern.
- Sofort pressen: Nach dem Einführen muss der Pressvorgang ohne Zeitverzögerung durchgeführt werden. Wichtig: Pressen Sie immer vom Auge (der Anschraubfläche) in Richtung des Kabels, damit das Kontaktfett nach hinten entweichen kann!
Wie oft muss gepresst werden? (Schmal- vs. Breitpressung)
Es gibt keine pauschale Formel, die für alle Marken gilt. Die Anzahl der Pressungen hängt von der Werkzeug-Kennzahl (KZ) und der Breite Ihres Presseinsatzes ab:
- Die Kennzahl (KZ): Diese Nummer ist auf dem Kabelschuh eingestanzt und muss zwingend mit der Nummer auf Ihrem Presseinsatz (Matrize) übereinstimmen (z. B. „KL 22“ für Klauke Kennzahl 22).
- Schmalpressung: Handgeführte, kompakte Akkugeräte (z. B. 60 kN) nutzen meist schmale Einsätze. Hier muss häufiger gepresst werden. Orientieren Sie sich an den schmalen Strichmarkierungen auf dem Kabelschuh.
- Breitpressung: Schwere Hydraulikpressen (z. B. 120 kN) nutzen breite Einsätze. Hier sparen Sie Zeit, da weniger Pressvorgänge nötig sind. Orientieren Sie sich an den breiten Strichmarkierungen.
Die Klauke Presstabelle für Aluminiumleiter (Sechskantpressung)
Wenn Sie das System des Marktführers Klauke verwenden, dient die folgende Tabelle als verlässlicher Richtwert für Standard-Aluminiumleiter (Al nach DIN 46329).
Hinweis: Prüfen Sie bei feindrähtigem Alukaflex immer zusätzlich die spezifische Freigabe des gewählten Kabelschuhs!
| Leiterquerschnitt (mm²) | Werkzeug-Kennzahl (KZ) | Anzahl Pressungen (Schmal) | Anzahl Pressungen (Breit) |
| 16 | 10 | 2 | 1 |
| 25 | 12 | 2 | 1 |
| 35 | 12 | 2 | 1 |
| 50 | 14 | 3 | 1 |
| 70 | 16 | 3 | 1 |
| 95 | 18 | 3 | 2 |
| 120 | 22 | 4 | 2 |
| 150 | 22 | 4 | 2 |
| 185 | 25 | 4 | 2 |
| 240 | 28 | 4 | 2 |
| 300 | 32 | – | 2 |
Zusammenfassung für die Baustelle: Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Bauchgefühl. Lesen Sie die Kennzahl auf dem Kabelschuh ab, legen Sie die exakt passende Matrize in Ihr akkuhydraulisches Werkzeug ein und pressen Sie genau so oft, wie es die Striche auf dem Schaft vorgeben – immer vom Auge zum Kabel. So garantieren Sie eine langlebige und brandsichere Installation.
